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Brief von Gottfried Buchmüller an seine jüngste Schwester Hedi vom 26. November 1894
Liebes Chlieses!
Ja
sieh, das ist Deine Sache, ob ich im Frühjahr dann durchs Examen
fliege oder nicht. Willst Du die Verantwortung auf Dich nehmen, - he nu
so de! Weisst, meine goldenen Stunden brauche ich entweder zum Schaffen
oder zum Bummeln. Da kann man nicht gerade andächtig schreiben und
ebenso hat man nicht den Genuss eines mopsigen Kollegs, wenn man zu
viel an Besen denkt. Solche Gedanken sind zeitraubend, aber da Du als
Besen mein kleines, ganz kleines Schwosti zu sein die Ehre hast, will
ich Dir meine Tintensäfte weihen, aus denen ja immer unter
sothanen Umständen auch der hinterste Mann seine
Geisteskräfte ziehen kann.
Letzten Samstag war
Hochschulfeier "dies" d.h. "Tag" auf lateinisch. Da versammeln sich
morgens die Studenten im Frack (ich habe nun auch einen, hab Respekt
und lach nicht!). Der Saal war mit Fahnen, Schildern, Wappen usw. der
Verbindungen flott geschmückt, und nicht weniger flott tummelten
sich 400 farbentragende Studenten im Saal herum, bis sie nach
Verbindungen geordnet zu Tische sassen und sich mehr am
schäumenden Münchner Bier, an den Vorträgen der
Stadtmusik und den nicht anwesenden Besen ergötzten, als an den
Pauken der Profaxen. Und erst die schneidigen Kantüsser, die
hättest Du hören und die feinen Wixe sehen sollen. Das
wäre ein
Augen- und Ohrenschmaus gewesen für Eure Pension!
.....
Heute
denke ich Deiner und freue mich mit Dir unserer Jugend- und Lehrjahre.
Das sind Zeiten, an denen Du im Alter als weissgraue Pfarrfrau von
Abläntschen und ich als Greis mit der Pfeife im Gespräch mit
der "Meinigen" noch Freude haben. --..
Nun gut Nacht! Ein Schleck mit Speufer, ein Riss am Zopf, und ich verabschiede mich als Dein Brüetsch
Godi
| Chronik der Buchmüller, 1975, 2005 |